Der Rhodesian Ridgeback als Rettungshund
Der Rhodesian Ridgeback - eine exotische Erscheinung
im Rettungsdienst?
Um die Antwort vorweg zu nehmen: Nein, er ist weder eine exotische noch eine modische Erscheinung im Rettungsdienst, sondern bei richtiger Ausbildung ein äußerst leistungsfähiger und harter Rettungshund!
Die Rettungshunde-Arbeit, in der Tradition gemäß überwiegend Vertreter der anerkannten Gebrauchshunde-Rassen und deren Mischlinge eingesetzt werden, allen voran der Deutsche Schäferhund, ähnelt in vielen Bereichen der Arbeit eines Jagdhundes in seinem Revier.
Auch der Rettungshund stöbert frei nach seiner Beute, die aber nicht aus jagdbaren Tieren, sondern aus vermißten Menschen besteht.
Der arbeitende Rettungshund ist ständig auf der Suche nach menschlicher Witterung. Im Gegensatz zum jagdlich geführten Hund darf er seine Beute nach dem Aufspüren und Stellen nicht "abtun" (an der Drossel fassen). Das Anzeigen der aufgefundenen Person erfolgt durch Lautgeben, ist also mit dem Totverbeller des jagdlich geführten Hundes vergleichbar.
Außer bei den Bringselverweisern gehört das Apportieren nicht unbedingt zu den Aufgaben eines Rettungshundes
Die Aufgaben eines Rettungshundes sind also nahezu identisch mit den Aufgaben eines jagdlich geführten Hundes, lediglich das "Wild"
ist ein anderes. Und ein ganz besonders wichtiger Aspekt ist beiden Formen der "Jagd" gemeinsam, von den Hunden wird Eigenständigkeit und die Fähigkeit zur selbständigen Arbeit gefordert! Sowohl der Rettungsbund als auch der Hund in Jägerhand arbeiten in wechselnder Distanz zu ihrem Führer und können jederzeit in unvorhersehbare, problematische Situationen geraten. Diese müssen dann selbständig ("problemlösend") gemeistert werden, ohne daß der Hundeführer Hilfestellung leisten kann.
Diese Forderung nach Selbständigkeit und Flexibilität ist aber der gravierende Unterschied zwischen der Arbeit eines Jagd- oder Rettungshundes und der Arbeit eines Hundes in jeder Sparte des Hundesports!
Die Jagdhunde-Rassen, unter ihnen der Rhodesian Ridgeback, die unter strenger Selektion (?) auf jagdliche Leistungen (?) gezüchtet werden, sollten sich von daher eigentlich nicht nur gut, sondern sogar besser für die Ausbildung zum Rettungshund eignen als Vertreter der sog. Gebrauchshunderassen. Denn diese werden für die Zucht - wenn überhaupt - über Leistungskriterien im Hundesport selektiert.

Spätestens an dieser Stelle muß ich damit rechnen, mißverstanden zu werden. Ich möchte keine Rasse im allgemeinen besonders schlecht machen. Ein Vertreter einer Gebrauchshunderasse, sofern er aus einer Leistungszucht stammt, wird immer ein hervorragend ausbildbarer Hund sein, und umgekehrt wird nicht jeder an der Rettungshundearbeit Interessierte mit einem Jagdhund gute Leistung erbringen können!
Es soll hier keinesfalls verallgemeinert werden!
Ich möchte lediglich den Horizont für die RH-Arbeit erweitern, indem ich darauf hinweise, daß das Potential an speziell und ganz besonders gut geeigneten Hunden nicht nur nicht ausgeschöpft, sondern noch nicht einmal entdeckt worden ist!
Nach erfolgreich abgeschlossener Ausbildung ist ein Jagdhund kein besserer Rettungshund als ein Vertreter einer Gebrauchshunderasse, aber es zeichnet sich ab, daß Jagdhunde die Ausbildung in kürzerer Zeit absolvieren können, weil die ihnen gestellte Aufgabe genau dem entspricht, wofür sie über Generationen hinweg gezüchtet worden sind.
Warum aber sind dann unter den Rettungshunden die Jagdhunde-Rassen so selten vertreten?
(Eine Ausnahme ist die immer stärkere Präsenz von Golden- und Labrador Retrievern. Die stärke Verbreitung dieser Rassen erhöht auch die Wahrscheinlichkeit, daß Besitzer eines solchen Hundes den Weg zu einer RH-Staffel finden)
Sie stehen in ihrer Eignung in Nichts der der Gebrauchshunderassen nach. Sollten tatsächlich durch Traditionen verkrustete Strukturen die Ursache hierfür sein'?
Oder spielen auch noch andere Gründe eine Rolle?
Natürlich ist ein Deutscher Schäferhund - sofern er aus einer sorgfältig geführten und kontrollierten Leistungszucht stammt - ein gut ausbildbarer Hund, der auch im Rettungsdienst hervorragende Leistungen zu erbringen vermag; aber rechtfertigt seine Stellung als "weltweit häufigster Gebrauchshund" auch eine freiwillige Einschränkung des Potentials an einsatzfähigen Hunden?
Gibt die Quantität tatsächlich Aufschluß über die Qualität?
Oder ist die Quantität nicht eher Spiegelbild menschlicher Trägheit, denn unter dem Deckmantel der Tradition verbergen sich häufig nichts anderes als Denkfaulheit und mangelnde Anpassungsfähigkeit!
Ich denke, in erster Linie beruht das Ungleichgewicht zwischen Eignung und Präsenz aber auch darauf, daß viele an der Rettungshunde-Arbeit interessierte Hundebesitzer über einen Hunde Sportverein in die RH-Staffeln kommen, und Besitzer von Jagdhunden gehören normalerweise nicht zu den Hundesportlern.
Jagdhunde werden entweder von Jägern geführt und erhalten ihre Ausbildung in speziellen Vereinen, oder aber sie befinden sich, so wie z.B. die meisten Rhodesian Ridgebacks, in der Hand von reinen Liebhabern, die erfahrungsgemäß Schwierigkeiten mit den Ausbildungsmethoden der verschiedensten Vereine haben.
In einem Hundesportverein muß schon ein ganz besonders tolerantes Klima herrschen, damit Besitzer von Rhodesian Ridgebacks dort die Möglichkeit sehen, mit ihren Hunden zu arbeiten und sich dabei auch noch wohl zu fühlen.
Neue Wege müssen in der Hundeausbildung beschritten werden, denn bereits die Auswahl des richtigen Hundes für den richtigen Menschen entscheidet über Erfolg oder Mißerfolg einer Für die reinen Liebhaber von Rhodesian Ridgebacks bietet die RH-Arbeit eine sinnvolle Möglichkeit, die brach liegenden und damit meist Problem bringenden Fähigkeiten ihrer Hunde unter Kontrolle zu bringen.
Für den ernsthaften Züchter unserer Rasse - diesen erkennt man daran, daß er seine Welpen nur an aktive Menschen abgibt -, sind an seinen Hunden interessierte Nichtjäger durchaus akzeptabel, wenn sie ihren Hund speziell für die RH-Arbeit auswählen wollen. Sie können dann sicher sein, daß "ihr" Hund ein seiner Bestimmung und seiner Veranlagung entsprechendes Hundeleben als "Jäger" führen kann!
Jetzt stellt sich natürlich die Frage, wie kommen RH-Ausbilder mit dem noch relativ unbekannten Rhodesian Ridgeback zurecht und ist diese Rasse wirklich den hohen Anforderungen, die an einen Rettungshund gestellt werden, gewachsen?
Nachdem ich im Rettungsdienst einen Irisch Setter und zwei Hovawarte führte, bekam ich vor g 8 1/2 Jahren meine erste RR-Hündin, Umvuma-Rusty, die sich, nach meinem Setter, als absoluter Kracher zeigte. Bei einfühlsamer Ausbildung, die sich in erster Linie auf positive Verstärkung stützte, schaffte die Hündin ihre Prüfungen in Rekordzeit und hat bis heute annähernd 60 Einsätze hinter sich gebracht, wobei sie zusätzlicb im jagdlichen Einsatz auf dem Land und im Wasser eine sichere Verloren-Bringerin ist.
Nun darf ich allerdings nicht unerwähnt lassen, daß ich schon damals Ausbilder im Rettungshundewesen war und meine Hündin ganz nach meinen eigenen Vorstellungen ausbilden konnte und niemandem über das Wie und Warum Rechenschaft schuldig war.
Heute bilde ich die Rettungshunde des Technischen Hilfswerkes in Schwalmstadt, bestehend aus 1 Malamute/Wolfspitz-Mix, 1 Deutschen Schäferhund und 10 Jagdhunden (davon 7 Rhodesian Ridgebacks), auf der Grundlage der Verhaltensbiologie und lernpsychologischen Erkenntnissen ans und das Ergebnis kann sich sehen lassen.
Die Einsätze, hier vorwiegend in Flächensuche, häufen sich, die RH-Staffel wird die Rettungshunde-Arbeit bei der 50-Jahr-Feier des THW in Berlin vertreten und es liegen z.Zt. die Anfragen von ca. 20 Schulen vor, in denen die Hundeführer Unterricht im Umgang mit Hunden halten sollen. Gerade in die Schulen werden die Rhodesian Ridgebacks mitgenommen, da diese sich immer wieder als besonders menschenfreundlich zeigen und im Umgang mit den Kindern besonders starknervig und tolerant.
Was macht den Rhodesian Ridgeback so wertvoll für den Rettungsdienst?
Es ist seine Menschenfreundlichkeit, seine enge Bindung an seinen Führer, dem er bei richtiger Behandlung, alles, aber wirklich alles recht machen will, sein enormer Einsatz- und Arbeitswille, der ihn bis zur totalen Erschöpfung arbeiten lässt. Hier muß der Hundeführer rechtzeitig Einhalt gebieten, wenn er nicht will, daß sein RR gesundheitliche Schäden davonträgt.
Wer einmal gesehen hat, wie ein Ridgi freiwillig, nur von seinem Finderwillen getrieben, eine fast unüberwindbare, steile Betonplatte hinaufklettert und mit zitternden Muskeln mit letzter Kraftanstrengung seine Katzenpfoten einsetzt, oder bei der Flächensuche unermüdlich, schnell und kraftvoll das Gelände absucht, der wird diesen Anblick nie wieder vergessen.
Es muß eigentlich nicht extra erwähnt werden, daß nur psychisch und physisch völlig gesunde Hunde zum Rettungshund geeignet sind, sie sollten nicht zu groß und schwer sein. Zumindest die Rüden der etwas schweren und klotzigen Linien der RR, sind für die RH-Arbeit zu schwer sind besonders für die Trümmerarbeit nicht geeignet.
Ein kleiner Nachteil für die Rasse ist die Tatsache, daß Rhodesian Ridgebacks keinen "lockeren Hals" haben. Hier sind mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen Verbellübungen angesagt, bis auch der ruhigste Ridgi ein sicherer Verbeller ist, oder man muß ihn zum Bringsel-Verweiser ausbilden, dann ist er allerdings "nur" für die Flächensuche einsetzbar.
Leider muß man landauf und landab die Methoden vieler RH-Ausbilder sehr in Frage stellen.
Hier überwiegen Traditionismus, Formalismus und engstirnige Denkungsweisen gegenüber Verhaltensbiologie, Lernpsychologie, Kreativität und Einfühlungsvermögen. Das Ergebnis ist, daß sehr viele RR-Besitzer, die großes Interesse an der RH-Arbeit haben, enttäuscht bei mir anrufen, weil die Ausbilder mit ihnen und ihren Hunden nichts anzufangen wußten.
So wollte ein "Ausbilder" einen RR mit aller Gewalt dazu bringen eine Beißwurst aufzunehmen, was zur Folge hatte, daß er nach einer gewissen Toleransphase angeknurrt wurde. Das man einen Hund statt über den Beutetrieb über den Freßtrieb motivieren und belohnen kann, war für diesen Menschen undankbar.
Eine andere "Ausbilderin" sagte einem RR-Besitzer: "bevor man dessen Rüden in die Ausbildung nehme, müsse man ihm erst seine Scheiß-Freundlichkeit abgewöhnen". Einen Kommentar hierzu erspare ich mir, diese Frau sprach für sich selbst!
Zur Zeit ist es so, daß die Rhodesian Ridgeback-Besitzer schon aus dem Ruhrgebiet die weite Fahrt nach Schwalmstadt in Mittel-Hessen machen, nur um ihren Hund artgerecht zum Rettungshund ausbilden zu lassen.
Leider ist die Aufnahmekapazität in Schwalmstadt fast erschöpft, da die Zahl der auszubildenden Hunde noch zu bewältigen sein muß.
Ich bitte hiermit um Verständnis, wenn ich nicht jedem Wunsch zur
RH-Ausbildung eines Rhodesian Ridgeback sofort nachkommen kann.
von Ulli Schnitzer
Memory of the Red Hunter










